Züchten heißt: Denken in Generationen

Niedersächsisches Hengstaufzuchtgestüt Hunnesrück

Geschichte & Gegenwart

Die Gemeinde Hunnesrück trägt ihren Namen nach der im 12. Jahrhundert als Höhenburg in den Amtsbergen oberhalb des heutigen Betriebes erbauten Burganlage und wurde Mitte des 17. Jahrhunderts auf dem Gelände der im 30 jährigen Krieg zerstörten Ortschaft Binder gegründet.

Die Burg Hunnesrück war Sitz der Grafen von Dassel. Ob sie von Rainald von Dassel dem Kanzler des Kaisers Friedrich Barbarossa und Erzbischof von Köln erbaut wurde ist unklar.

1310 wurde die Burg vom letzten Grafen von Dassel an den Bischof von Hildesheim verkauft und 1521 in der Hildesheimer Stiftsfehde von den Calenberger Herzögen zerstört.

Nach dem Amt und Burg Hunnesrück 1523 in den Besitz des Fürstentums Calenberg übergegangen waren, ließ Erich von Calenberg aus ihren baulichen Überresten im Tal eine neuzeitliche Wasserburg errichten, welche  er 1528 nach seinem gleichnamigen Sohn benannte.

Heute sind nur noch einige Grundmauern der zerstörten Burg Hunnesrück, sowie ein Kreuz (A.O.1775) in den Amtsbergen zu finden. Eine Tafel zeigt den Aufbau der ehemaligen Burganlage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    Burgruine Hunnesrück

Von der Erichsburg ist heute nur noch das 1604-1612 durch den Wolfenbütteler Baumeister Paul Francke errichtete „Neue hohe Gebäude“ erhalten. Der Verfall der restliche Festung setzte nach dem 30 jährigen Krieg mit der Aufgabe der Fürstlichen Hofhaltung und dem Verlust der militärischen Funktion ein, zumal die Hildesheimer Bischöfe ihr Großes Stift 1643 teilweise zurückerhalten hatten.

Der Amtsbezirk wurde getrennt. Die Erichsburg wurde Calenbergsches Amt und durch Hildesheim wurde 1643 das Amt Hunnesrück mit dem Bau einer neuen Hofanlage am heutigen Betriebssitz errichtet.

 

 

 

 

 

 

Erichsburg

 

 

 

 

 

 

 

Skizze vom Grundriss des Hunnesrücker Amtshofs um 1770

 

 

 

 

 

 

 

Luftbild der Hofanlage 2010

Das noch heute bestehende hildesheimische Amtshaus mit frühbarocker Muttergottes in der Portalnische diente lange Jahre als bischöfliche Sommerresidenz, bis sie 1803 erstmalig preußisch und dann französisch wurde.

Napoleon gliederte das Gebiet 1807-1815 dem Königreich Westfalen an. Nach dem Wiener Kongress kam das Gebiet zum Königreich Hannover.

 

 

 

 

 

Amtshaus

Aus dieser Zeit sind noch heute einige durch Steine und Gräben gekennzeichnete Grenzverläufe in den Amtsbergen zu sehen.

1817 wurden die Ämter Erichsburg und Hunnesrück zu dem Amt Erichsburg- Hunnesrück zusammengelegt. Amtssitz und Gerichtsbarkeit kamen zur Erichsburg, die landwirtschaftlichen Flächen der beiden Amtssitze wurden zusammengelegt und von der Domäne Hunnesrück verwaltet.

 

 

 

 

 

Alte Grenzsteine

Nach dem das Gebiet 1866 wieder preußisch wurde, ist ein königlich preußisches Remontedepot auf der heutigen Hofanlage eingerichtet worden. In den späten sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Pferdestallungen erbaut, die auch heute noch genutzt werden. Hunnesrück umfasste mit den Vorwerken Erichsburg und Relliehausen etwa 1000 ha, mit hohem Grünlandanteil. Es wurden bis zu 800 Pferde gehalten, die aus eigenen Stuten gezogen, oder zwecks Militärausbildung hierher gebracht wurden. 1919 wurde das Remontedepot nach verlorenem 1. Weltkrieg aufgelöst und 1920 an die preußische Gestütsverwaltung übergeben. Diese richtete die noch heute bestehende Hengstaufzucht durch das Landgestüt Celle ein. In den ersten Jahrzehnten wurden bis zu 100 Hengstfohlen aus jedem Jahrgang aufgezogen. Mit der zunehmenden Technisierung der Landwirtschaft ging die Nutzung der Celler Landbeschäler zurück. Hierdurch verringerte sich auch die Zahl der Aufzuchtfohlen.

Parallel zur Hannoveraner Hengstaufzucht wurden nach dem 2. Weltkrieg versprengte Trakehnerstuten in Hunnesrück zusammengeführt. Im Herbst 1946 wurden 49 Stuten angeliefert und im Vorwerk Erichsburg aufgestallt. Durch diese Maßnahme wurde die nun westdeutsche Trakehnerzucht nachhaltig gestützt. In den 70er Jahren wurde der Trakehnerstamm zu den Grafen zu Ranzau nach Schleswig- Holstein umgesiedelt, wo sie weitere ca.10 Jahre verblieben.

Der Zoologische Garten Köln errichtete 1990 auf einer ca. 20 ha großen Grünlandfläche des Gestüts ein Reservat für Przewalski- Pferde. Zunächst als Zuchtstätte zur Arterhaltung, später als Hengstdepot. Dieses Projekt wurde 1999 aus Kostengründen eingestellt.

Heute kommen ca. 50 Hannoveraner Hengstfohlen pro Jahr zur Aufzucht nach Hunnesrück, von denen etwa die

Hälfte im Alter von zweieinhalb Jahren den Sprung in die Hengstprüfungsanstalt Adelheidsdorf schafft.

Hier werden sie auf die Hengstleistungsprüfung vorbereitet. Seit 2011 koordiniert die Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (FN) im Auftrag der ihr angeschlossenen Zuchtverbände die Hengstleistungsprüfungen für Hengste der Deutschen Reitpferdezuchten. Es ist ein neues System notwendig geworden, da sich der Staat aus der Durchführung der Prüfung zurückgezogen hat.

 

Umfassende Informationen zu den Hengstleistungsprüfungen erhalten Sie HIER auf der Internetseite der FN.

Termine und Ergebnisse der Hengstleistungsprüfungen erhalten Sie HIER auf der Internetseite des Landgestüt Celle.